{"id":2725,"date":"2017-08-20T00:02:50","date_gmt":"2017-08-19T22:02:50","guid":{"rendered":"https:\/\/irieocean.com\/?p=2725"},"modified":"2020-11-23T18:13:19","modified_gmt":"2020-11-23T17:13:19","slug":"1-reise-nach-hendaye-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/irieocean.com\/?p=2725&lang=de","title":{"rendered":"1. Reise nach Hendaye 2017"},"content":{"rendered":"<p>Ich nahm Verbindung zu der Surfschule auf, die Buchung dort war einfach und unkompliziert. Eine \u00dcbernachtung ist auch schnell gefunden. Da ich keinen F\u00fchrerschein und Auto besitze, um einen Road Trip zu machen, kam also nur \u00f6ffentliche Verkehrsmittel f\u00fcr mich in Frage. Ich habe versucht online meine Reise bei der Bahn in Deutschland und Frankreich zu buchen. Bei der Reservierung bemerkte ich, dass ich nicht eingeben kann, dass ich einen Behindertenausweis habe. Es gibt unterschiedliche Bedingungen f\u00fcr mobilit\u00e4tseingeschr\u00e4nkte Reisende.<\/p>\n<ul>\n<li>In Deutschland reist die Begleitperson kostenlos, der Behinderte zahlt den vollen Preis in der zweiten Klasse.<\/li>\n<li>In Frankreich reist der behinderte in der ersten Klasse, zu dem Preis eines zweiter Klasse Ticket und die Begleitperson zahlt ungef\u00e4hr 2 Euro.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Also ging ich zum Ticketservice der deutschen Bahn und trug dort die Problematik vor. Der Gesch\u00e4ftsleiter sagte mir, dass mein Behindertenausweis in Frankreich nicht g\u00fcltig w\u00e4re und ich ben\u00f6tige von dort einen franz\u00f6sischen behinderten Ausweis. Was nat\u00fcrlich nicht geht, denn daf\u00fcr muss ich in Frankreich angemeldet sein! Mein Surfurlaub schien buchst\u00e4blich ins Wasser zu fallen. Entt\u00e4uscht und traurig nahm ich mir die Mobilit\u00e4tsservice Brosch\u00fcre mit und ging nach Hause.<\/p>\n<p>Ich las die Brosch\u00fcre durch, war jedoch entsetzt wie man mich am Bahnhof behandelt hatte, denn in der Brosch\u00fcre steht das Mobilit\u00e4teingeschr\u00e4nkte Personen ganz einfach durch Europa reisen k\u00f6nnen. Daraufhin ging ich zu einem anderen Bahnhof, trug dort wieder die Problematik vor und siehe da die Frau am Schalter war sehr zuvorkommend. Durch sie erfahre ich, dass es nicht geht, da ich in Paris ein St\u00fcck der Strecke mit der Metro fahren m\u00fcsse und die ist definitiv nicht barrierefrei, leider. So jetzt f\u00fchle ich mich wie bestraft! Es kann doch nicht sein, dass meine Reise daran scheitern soll, weil ich nicht mit der Bahn dahin komme? Bus darf ich auch nicht alleine fahren, da es aus Versicherungsschutz den Fahrer nicht gestattet ist zu Helfen. Was ist da los? Ist das so schwer alleine als Rollstuhlfahrer durch Europa zu reisen?<\/p>\n<p>Inspiriert von meinen Wellenreiter- Freunden aus Amerika, wollte ich diesen Trip in Europa auch selbst\u00e4ndig meistern. Die Tatsache, dass die Bedingungen so schwer sind, ermuntert mich noch mehr.<\/p>\n<p>Ich bin ich im Jack Wolfskin auf Andreas Pr\u00f6ve aufmerksam gemacht worden. Ein Rollstuhlfahrer der alleine mit seinem Handbike durch die Welt reist und auch dar\u00fcber Vortr\u00e4ge h\u00e4lt. Er sagte nur zu mir, siehst du das ist der Grund warum ich nicht gerne durch Europa reise. Barrierefrei durch Europa ist nur auf dem Papier sehr einfach und unkompliziert. In der Realit\u00e4t mangelt es jedoch an der Umsetzung, vielleicht sollten die Bahngesellschaften sich da eine Scheibe von den Airlines abschneiden.<\/p>\n<p>Fliegen war also die einfachste Reisem\u00f6glichkeit f\u00fcr uns. Das buchen des Tickets ging sehr schnell, \u00fcbersichtlich und unkompliziert. Die Ankunft in Biarritz war sehr angenehm. Ich bekam sogar von Air France die Taxifahrt hin und zur\u00fcck von Paris nach Orly bezahlt.\u00a0 Mit dem Taxi fuhr ich anschlie\u00dfend zum Campingplatz und bezog das erste Mal im Leben ein Accessible Mobile Home.<\/p>\n<p>Der Campingplatz lag ungef\u00e4hr 3 km von meiner Surfschule entfernt. Ich konnte entweder einen sch\u00f6nen ausgiebigen Spaziergang machen oder mit der Navette fahren. Die Navette fuhr zu bestimmten Zeiten und hatte eine Rampe und die Fahrer waren sehr hilfsbereit. Am Anfang war es sehr ungewohnt f\u00fcr mich einen Fahrschein zu kaufen, da ich in Deutschland gewohnt bin mit meinem Behindertenausweis umsonst mit Nahverkehrsmitteln zu fahren.<\/p>\n<p>Ich konnte mich w\u00e4hrend meiner gesamten Zeit dort frei bewegen. Restaurants, L\u00e4den, Wege waren sehr gut zug\u00e4nglich f\u00fcr den Rollstuhl. Es gibt sogar einen &#8222;Handi-Strand&#8220;, der mit dem Marine Hospital von Hendaye verbunden ist, der schwerbehinderte Patienten oder seltene Krankheiten behandelt. Der \u201eHandi-Strand\u201c ist ein spezieller Strandabschnitt nur f\u00fcr Menschen mit Behinderung d.h. dieser Abschnitt ist mit Equipment ausgestattet, das gebraucht wird um ins Wasser zu kommen wie Strandmatten, Strandrolli und extra Personal falls Hilfe und Unterst\u00fctzung gebraucht wird.<\/p>\n<p>Nachdem ich eine Wohnung in der N\u00e4he des Strandes gefunden hatte, entschied ich mich, den Schlafort zu wechseln. Die Wohnung war ganz in der N\u00e4he von Gogoko mein Lieblingsrestaurant. Das Gem\u00fcse und Obst ist frisch und der K\u00fcchenchef Daniel bereitet jeden Tag gesunde und nahrhafte Bio-Mahlzeiten zu, die immer lecker sind.<\/p>\n<p>Die Junge Team von Lehena haben sich zus\u00e4tzlich auf adaptive Surfing spezialisiert. Das Team von Ecole de surf Lehena ist sehr offen und freundlich. Ich habe mich sofort sehr wohl gef\u00fchlt.\u00a0 Sie sind darauf spezialisiert Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen das Surfen beizubringen. Die hervorragende Arbeit von Lehena hat den jungen Sportler Maixi Cabanne zum franz\u00f6sischen National Surf Meister gemacht. Sie trainieren auch das franz\u00f6sische Nationalteam und waren auch in La Jolla 2016 dabei. Durch ihre Arbeit haben sie erkannt wie wichtig das Element Wasser f\u00fcr die Weiterentwicklung von Menschen, die gehandicapt sind, ist. In Amerika habe ich das Surfen auf dem Board sitzend und mit dem Paddel kennengelernt so wie beim Kajak, doch die Jungs nutzen nur ein normales Surfbrett und die F\u00e4higkeit des K\u00f6rpers wie man das eben von Surfen kennt. Bevorzugt wird die \u201eKneeling\u201c Position, nat\u00fcrlich nur wenn dies m\u00f6glich ist, also surfen auf den Knien, sonst im Stehen oder auch im Liegen auch \u201eProne\u201c genannt. Je nach Behinderung und k\u00f6rperlichen M\u00f6glichkeiten. F\u00fcr mich kam das Surfen im Kniestand in Frage. Der Unterricht war sehr intensiv und spa\u00dfig zugleich. Ich hatte die Gelegenheit verschiedene Surfboards auszuprobieren, bis wir das passende f\u00fcr mich gefunden haben. Ich liebe es auf diese Art und Weise zu surfen, denn dadurch konnte ich das Surfboard besser f\u00fchlen und f\u00fchren. Umso gr\u00f6\u00dfer wurde mein Respekt f\u00fcr alle die im Sitzen surfen. Ich hatte auch noch die Chance Jean-Marc Saint Geours von Association Handi-Surf kennenzulernen.<\/p>\n<p>Ich habe Land und Leute kennengelernt und war wirklich sehr \u00fcberrascht wie die Barrierefreiheit dort umgesetzt worden ist. Ich konnte mich selbst\u00e4ndig und frei bewegen. Restaurant, Hotels und Spazierwege sind barrierefrei.<\/p>\n<p>Das Surfen hat mich gepackt und der Ehrgeiz an Wettk\u00e4mpfen teilzunehmen ist geweckt. Ich habe mit dem DWV-Deutscher Wellenreiter Verband- Kontakt aufgenommen. Sie freuten sich sehr \u00fcber meine Motivation, da das Surfen zur olympischen Disziplin ernannt worden ist, ist es auch in ihrem Interesse mehr adaptive Athleten zu bekommen, um bei den paralympische Spiele mit zu machen.<\/p>\n<p>Als die ISA Weltmeisterschaften vor der T\u00fcr stand, musste ich mich einfach anmelden. Da es zum ersten Mal eine Frauen Kategorie gab, gab es f\u00fcr mich keinen Grund Deutschland nicht zu vertreten. Ich habe mich wie \u00fcblich beim DWV-Deutsche Wellenreiter Verband- angemeldet.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck halfen mir meine Freunde aus Amerika und das Team von ISA. Um mich schon mal f\u00fcr meinen ersten Wettkampf \u00fcberhaupt vorzubereiten, nahm ich spontan in La Jolla Shore an einem kleinen Wettkampf teil. Ich war mit einem fremden Surfboard im Wasser verloren, als mir Travis Long zur Hilfe kam. In diesem Wettkampf wurde ich letzte, doch es ging ja nur um die Erfahrung und Spa\u00df. Travis ist ein Tandemsurfer, das hei\u00dft, er und seine Partnerin machen Hebefiguren auf dem Longboard. Als ich ihm erz\u00e4hlte, dass ich an der Weltmeisterschaft teilnehme werde und leider noch keine wirkliche Surferfahrung habe und zudem kein Coach habe, erkl\u00e4rt er sich kurzer Hand bereit mein Coach zu werden. Nachdem ich mir mein eigenes Equipment zugelegt hatte, fingen wir mit dem Training an. Zus\u00e4tzlich hatte ich die Jungs aus England, die mit mir zus\u00e4tzlich trainierten <a href=\"http:\/\/www.surfingengland.org\">www.surfingengland.org<\/a>. Ich habe so viele hilfsbereite Menschen kennen und sch\u00e4tzen gelernt.<\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte mich dort auch bei Challenged Athletes Foundation f\u00fcr ein Sponsoring anmelden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich nahm Verbindung zu der Surfschule auf, die Buchung dort war einfach und unkompliziert. Eine \u00dcbernachtung ist auch schnell gefunden. 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